Die Rolle des Betriebsrates bei Digitalisierungsprozessen

Rolle des Betriebsrates in Digitalisierungsprozessen Die DigiKIK Beschäftigtenbefragung hat sichtbar gemacht, dass dem Betriebsrat eine zentrale Rolle bei der Gestaltung von Digitalisierung zukommt. Die Ergebnisse waren für den Betriebsrat unerwartet und stellten für diesen einen Auslöser für neue Aktivitäten dar. So war zum Beispiel das Interesse der Beschäftigten an dem Thema Digitalisierung höher als vom Betriebsrat erwartet, außerdem unterschied sich die Sichtweise der Beschäftigten auf den Betriebsrat von dessen Selbstbild. Im Rahmen der Befragung gaben 41,71% (n=1.122) an, dass der Betriebsrat bei der Einführung von digitaler Technik eine größere Rolle spielen sollte. Nur 18,89% nahmen ihn zum Zeitpunkt der Erhebung als wichtigen Akteur in diesem Kontext wahr. Aktuell wird überlegt, eine Betriebsvereinbarung zum Thema Erreichbarkeit auf den Weg zu bringen, da die Befragungsergebnisse zeigten, dass eine Kontaktaufnahme während der Freizeit von den Beschäftigten als belastend empfunden wird. Diese Idee muss allerdings noch im Betriebsratsgremium entschieden werden. Besonders für den Bereich der Pflege wird dies als „schwieriges Thema“ bewertet. In der Beschäftigtenbefragung wurde deutlich, dass 42,32% die Möglichkeit haben (n1.113), sich in ihrer Freizeit über die Arbeit zu informieren. 49,55% haben die Möglichkeit, Absprachen mit Kolleginnen und Kollegen in ihrer Freizeit zu treffen. Doch diese Möglichkeiten werden überwiegend als Belastung bewertet. 60,53% fühlen sich durch das Einholen von Informationen belastet und 47,41% dadurch, Absprachen mit Kolleginnen und Kollegen treffen zu können. Damit der Betriebsrat eine größere Rolle spielen kann, muss er in die betrieblichen Implementierungsprozesse digitaler Technik von Anfang an eingebunden werden. Er sollte schon prospektiv bei der Einführung von verschiedenen Softwarelösungen und –updates intervenieren können. Eine Lösung, die auch in einer Klinik so durchgeführt wird, ist, dass die IT-Abteilung den Betriebsrat quartalsweise über Neuerungen informiert.


Als Initiative der Vernetzung und des Erfahrungsaustausches wurde in einer Klinik eine Digitalisierungs AG gegründet. Trotz anfänglichem Interesse gestaltet sich die Arbeit manchmal etwas mühsam und der Austausch ist noch nicht zum Selbstläufer geworden. Ein weiteres wichtiges Thema ist aus Sicht der Betriebsräte die Überwachung durch Technik. Digitalisierung schafft das Potential, Mitarbeitende zu überwachen. Somit ist Aufgabe des Betriebsrates, sicherzustellen, dass von dieser Funktion kein Gebrauch gemacht wird. Aktuell sind in einem der Praxishäuser Betriebsvereinbarungen zu den Themen Umgang mit Kommunikationstechnologien und Mitarbeiterdatenschutz in Planung.

Unternehmen werden digitalisiert: Welche Voraussetzungen brauchen Experimentierräume?

Eine Lernerfahrung war die im Projekt gewachsene und gelebte Erkenntnis, dass der Digitalisierungsprozess niemals beendet ist und weitere Veränderungsprozesse anstehen. Aus diesem Grund wurden die Digitalisierungssprechtsunde sowie die AG Digitalisierung eingerichtet und sollen den fortlaufenden Digitalisierungsprozess weiter begleiten. Außerdem wurde der Stellenwert eines berufsgruppenübergreifenden Austausches thematisiert. Wichtig ist eine gute IT Abteilung, in der auch Personen arbeiten, die bereits in der Pflege/Medizin gearbeitet haben. Dies schafft eine bessere Akzeptanz und kann Frustrationen gegenüber der IT vermeiden. Außerdem sollte bereits in die Prozessbegleitung sowie in Schulungen Zeit investiert werden, da Schulungen oder Anpassungen im Nachhinein viel Zeit kosten. Eine Idee, die aufkam, war die Vernetzung von Betriebsräten in Form von Foren, die innerhalb eines geschützten Raumes stattfinden könnten.

Wie kann die Arbeit in Experimentierräumen gestaltet werden? Den Beschäftigten ist bewusst, dass sich die Arbeit durch Digitalisierung grundlegend verändert hat. Der Experimentierraum bietet die Chance, ein Angebot, Produkt oder einen Prozess ergebnisoffen zu entwerfen und kontinuierlich anzupassen und zu verbessern. Dabei zeichnet sich die Arbeit dadurch aus, dass sie hierarchie- und berufsgruppenübergreifend, ergebnisoffen und praxisorientiert stattfindet. Innerhalb eines Experimentierraumes können auch neue Beteiligungsformate für die betriebliche Interessenvertretung entwickelt und ausprobiert werden, außerdem kann die praxisnahe Entwicklung einer Betriebsvereinbarung zum Thema Digitalisierung ein Bestandteil sein. Wird die Perspektive der Beschäftigten gestaltend einbezogen, so können negative Technikfolgen vermieden und eine höhere Akzeptanz erreicht werden. Im Rahmen des Projektes DigiKIK wurden die Kriterien des Orientierens und Priorisierens von Ansätzen und Ideen sowie des Lern- und Entwicklungszyklus für den Experimentierraum festgelegt.

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Der Betriebsrat der Klinikums Kongress - Jürgen Breitkreuz - hat auf dem ver.di Klinikkongress in Berlin die Aktivitäten des Betriebsrates vorgestellt. Mit nur einem Klick, können Sie die Präsentationsfolien ansehen: